Graz, Innsbruck und Bozen: Erneut Erwachsene zur Taufe zugelassen
Bischöfe bei liturgischen Feiern mit angehenden Christen: „Glaube kein Fertigprodukt, sondern gemeinsamer Aufbruch“ – Gott als Halt in komplexer Wirklichkeit
Mehrere österreichische Bischöfe haben vergangenes Wochenende, noch vor Beginn der Bischofskonferenz-Frühjahrsversammlung in Pannonhalma, erwachsenen Taufbewerbern (Katechumenen) in ihren Diözesen die Zulassung zum Taufsakrament erteilt. In feierlichen Liturgien erhielten in Innsbruck elf Kandidatinnen und Kandidaten sowie zwölf in Graz die offizielle Bestätigung des letzten Vorbereitungsschrittes vor dem wichtigsten christlichen Initiationssakrament. Bereits in den Tagen davor hatten bei großen Feiern 118 Personen über 14 Jahren in der Wiener Augustinerkirche und 21 im Linzer Dom die Zulassung erhalten.
In Innsbruck wurde die Feier mit Diözesanbischof Hermann Glettler in der Krypta des Jakobsdomes veranstaltet, wo sich auch ein Taufbecken befindet. Die elf zugelassenen Frauen und Männer kamen aus Österreich, Türkei, Iran, Irak und Spanien. Glettler berichtete am Montag auf Instagram von einer spürbaren „Freude und innere Entschlossenheit, den Weg mit Jesus zu gehen – trotz vieler Anfragen und Schwierigkeiten im persönlichen Umfeld“ und dankte den Katechumenen für ihren Mut. „Wir alle haben unseren Glauben ja auch nicht als Fertigprodukt in der Tasche, sondern immer nur im gemeinsamen Aufbruch, in der Zusage und in der Verbundenheit mit Christus“, so der Bischof, der eine „gesegnete letzte Vorbereitung“ vor der Taufe in der Osternacht wünschte.
Auch das Grazer Priesterseminar war Schauplatz einer Zulassungsfeier. Der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl sprach dabei in seiner Predigt von der Glaubensgewissheit, dass niemand das eigene Leben selbst in der Hand habe, sich jeder aber dennoch „von Gott getragen wissen“ dürfe, in dem allein Vollendung und letztes Glück möglich seien. Gott kenne und liebe jeden Menschen und sage „Ja“ zu ihm trotz seiner Unzulänglichkeiten und Fehler, so der Bischof. Gottes Ruf habe jeden der Taufkandidatinnen und -kandidaten erreicht, auf jeweils einzigartige Art und Weise, erklärte Bischof Krautwaschl. Selbst in der aktuellen komplexen Weltwirklichkeit gebe Gott Halt und schenke Geborgenheit, „mag kommen, was will“.
Zentrale Feiern auch in Südtirol, Linz und Wien
In Südtirol gab es schon am ersten Fastensonntag eine abendliche Zulassungsfeier mit Bischof Ivo Muser in Dominikanerkirche in Bozen. Fünf erwachsene Taufbewerberinnen und Taufbewerber waren davor vormittags in ihrer jeweiligen Wohnpfarre im Rahmen der Gottesdienste der Gemeinde, in der sie um die Taufe bitten und eingegliedert werden sollen, vorgestellt worden. Die offizielle Zulassung durch den Bischof als Vertreter der Diözese ist eine Bestätigung und Bekräftigung des letzten Weges der Vorbereitung zur Taufe, hieß es in einer Aussendung.
Größere Taufzulassungen hatte es zuvor bereits in Wien und Linz gegeben: In Linz für 21 Katechumenen, die in der Krypta des Linzer Mariendoms von Bischof Manfred Scheuer einzeln die Erlaubnis zur Taufe und den Segen erhielten. In der Erzdiözese Wien bereiten sich derzeit 118 Kandidatinnen und Kandidaten auf die Taufe in der Osternacht vor, davon sind ein gutes Drittel Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. Sie nahmen ihre Urkunden zur Taufzulassung vor eineinhalb Wochen bei einer Feier mit dem Apostolischen Administrator Josef Grünwidl in der Augustinerkirche entgegen. Eine weitere Zulassungsfeier ist aufgrund der großen Nachfrage im Herbst geplant.
Hilfsbereitschaft und Offenheit
Warum sich Erwachsene taufen lassen, hat verschiedene Gründe, erklärte in einer Aussendung der Diözese Graz-Seckau die zuständige Liturgie-Referentin Gudrun Isak. Viele der Katechumenen berichteten, sie hätten „auf irgendeine Weise Kontakt mit Christinnen und Christen gehabt und waren fasziniert davon, wie freundlich, hilfsbereit und gut diese mit anderen Menschen umgegangen sind“. Vor allem habe das auch Menschen anderer Religionsgemeinschaften gegolten. „Manche wollen dann herausfinden, was Christinnen und Christen antreibt, so zu sein, und beginnen, über ihre Neugierde bzw. ihr Interesse zu lernen und zu glauben“, so die Theologin. Oft fühlten sich Menschen auch hingezogen zum „Gott der Liebe, bei dem nicht Vergeltung und Strafe walten, sondern Vergebung und Barmherzigkeit“.
Alle Taufbewerberinnen und Taufbewerber hätten gemeinsam, „dass der Weg immer mit der Begegnung zwischen Menschen beginnt, in der Gott spürbar geworden ist“, so Isak weiter. So habe ein Mann erzählt, dass er irgendwann begonnen habe, in der Bibel zu lesen, und die darin enthaltene Botschaft als wahr erfahren habe. Die Referentin weiter: „Er hat sich dann die Frage gestellt, ob er sich taufen lassen soll und kam zu dem Schluss: Wenn man die Botschaft der Bibel kennt, gibt es keine Alternative – man muss sich taufen lassen.“
Quelle: Kathpress